Pflichtpraktika für Schüler

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Kreis Paderborn (krpb). Gelangweilte Schülerinnen und Schüler, die ihr Praktikum am Kopierer verbringen und später "irgendwas im Büro" arbeiten wollen, und enttäuschte Betriebe, denen Schulpraktikanten zur Last werden - 6 Jahre nach Einführung von Pflichtpraktika für Schüler zur Berufsorientierung durch die Bundesregierung fragen sich Experten im Kreis Paderborn, ob hier alles richtig läuft. Vertreter der Wirtschaft, der Schulen, des Kreises Paderborn und der Agentur für Arbeit haben daher gemeinsam Vorschläge erarbeitet, wie Praktika verbessert und damit der Übergang von Schule in den Beruf reibungsloser klappen kann.

Praktika sind wichtig, darin sind sich die Experten einig. "Wir müssen aber dahin kommen, dass die Schülerinnen und Schüler nicht mit einer Das-muss-ich-halt-machen-Haltung ins Praktikum gehen, sondern mit echter Begeisterung wichtige Einblicke und Eindrücke mitnehmen", erklärt Petra Münstermann vom Bildungs- und Integrationszentrum des Kreises Paderborn. Denn die dort gesammelten Erfahrungen sind die Grundlage für eine wichtige Entscheidung, die jeder Schüler am Ende seiner Schulzeit treffen muss: Welchen Berufsweg will ich einschlagen?

"Leider sehen wir häufig, dass Ausbildungen abgebrochen werden, weil die Jugendlichen vorher keine klare Vorstellung darüber hatten, wie dieser Beruf aussieht", berichtet Jürgen Behlke, Leiter Zweigstelle Paderborn-Höxter der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen. Deshalb würden immer mehr Betriebe nur Auszubildende einstellen, die sie bereits aus Praktika kennen und einschätzen können. Erklärtes Ziel der nun gemeinsam erarbeiteten Vorschläge ist es daher mehr und bessere Praktika für Schüler zu erreichen.

Die Kernpunkte der gemeinsam erarbeiteten Empfehlungen sind, dass jeder Schüler zwischen der 8. und 10. Klasse zwei Praktika in unterschiedlichen Bereichen und Unternehmen von mindestens einer Woche, besser zwei Wochen absolviert. Im Idealfall nutzen die Jugendlichen freiwillig einen Teil ihrer Ferien für ein drittes Praktikum. Bisher gibt es häufig nur  ein durchgehendes dreiwöchiges Praktikum. Dadurch lernen die Jugendlichen nur einen einzigen Berufszweig kennen. Zudem konzentriert sich eine Mehrheit bei der Auswahl des Praktikumsplatzes einseitig auf einen Büro-Job. Daher soll nach Wunsch der beteiligten Experten zukünftig eines der drei Berufsfelderkundungstage im Handwerk absolviert werden.

Außerdem wurde eine Webseite unter www.kreis-paderborn.de/schuelerpraktika eingerichtet, auf der die Schulen die Praktikumstermine vorher veröffentlichen und interessierten Unternehmen offene Praktikumsstellen melden können.

"Letztendlich werden wir eine positivere Einstellung der Schüler zum Praktikum nur erreichen, wenn es uns gelingt, die Eltern mit ins Boot zu holen", erklärt Petra Münstermann. Sie setzt daher auf eine verstärkte Beratung der Eltern durch die Schulen sowie eigens entworfene Flyer oder die neue Webseite für Schülerpraktika.

Hintergrund:
Die Vorschläge zur größeren Nachhaltigkeit von Praktika und verbesserten Übergang von Schule in den Beruf wurden vom Beirat "Schule - Beruf" erarbeitet. Der  Beirat ist ein etabliertes Informationsgremium im Kreis Paderborn. Er versteht sich als Vollversammlung aller Partner, die im Handlungsfeld der Beruflichen Orientierung und im Übergang Schule-Beruf tätig sind und verfolgt das Ziel des institutionsübergreifenden Informations- und Erfahrungsaustausches. Die Kommunale Koordinierungsstelle im Bildungs- und Integrationszentrum organisiert zweimal im Jahr den Beirat in enger Absprache mit der Agentur für Arbeit, der Schulaufsicht und den Kammern.

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Pflichtpraktika für Schüler
Praktika sollen ein Gewinn für alle Beteiligten sein - Andrea Wesemann (Agentur für Arbeit), Katharina von Hagen (Leitung Kommunale Koordinierung Kreis Paderborn), Petra Münstermann (Sachgebietsleitung Übergang Schule Beruf, Bildungs- und Integrationszentrum Kreis Paderborn), Markus Beninca (Agentur für Arbeit), Beil (Schulleiter Realschule Schloß Neuhaus), Klaus Leweke (untere Schulaufsicht)