Archiv: Sandmeyer

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Kreis Paderborn (ho). Den folgenden Bericht vom 18. Oktober 1995 im Delbrücker Kurier haben wir beim Stöbern im Archiv entdeckt. John Sandmeyer aus Klamath Fall in den USA war damals zu Besuch im Elternhaus seines Großvaters in Sudhagen, der um das Jahr 1870 ausgewandert ist.

Das wechselvolle Kapitel deutscher Auswanderungen nach Amerika begann im Jahre 1683. Damals ließen sich 13 Mennoniten- und Quäkerfamilien aus Krefeld nach einer abenteuerlichen Schiffsreise über den Atlantik in der Nähe der heutigen Stadt Philadelphia Nieder. Seither folgten mehr als sieben Millionen Landsleute den ersten deutschen Siedlern in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Sie gingen allein und in Scharen, von Armut und Not getrieben und von Freiheitsidealen und Abenteuerlust angezogen. Für Handwerker und Habenichtse, Ganoven, Gelehrte, Kleinbauern und Kriminelle war Amerika das Land der Hoffnung, der Zuflucht, der Träume und des Neubeginns. Hier fanden sie ihr Lebensglück, und hier versanken sie im Elend.

Bericht im Kurier:

Happy Days in Germany
„Es ist das größte Erlebnis meines Lebens, auf dem Hof meines ausgewanderten Großvaters zu sein“, sagte John Sandmeyer gerührt bei einem großen Familientreffen im Jahre 1995 auf dem Hof Sandmeyer in Sudhagen.

Bereits 1989 hatte er mit seiner ersten Frau Janice das Land seiner Vorväter besucht. Nach dem Tod von Janice heiratete John Evelyn Merill, die Frau seines verstorbenen Freundes und machte mit ihr zusammen nun die zweite Reise nach Deutschland. „Zu Fremden bin ich 1989 gekommen“, sagte John, „heute fühle ich mich wie in einer großen Familie von Frunden und Verwandten.

Die drei Aufgaben
Fünf Söhne verließen zwischen 1868 und 1873 den Hof Sandmeyer in Sudhagen und machten sich auf den Weg ins ferne Amerika. Die Reise ins Ungewisse traten Tausende von Männern, Frauen und Kindern damals in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft an. Von den fünf ausgewanderten Sandmeyer-Söhnen war nach einigen Jahren Martin Sandmeyer nach Sudhagen zurückgekehrt, um in seiner Heimat auf Brautschau zu gehen. Zur Erinnerung an seinen Besuch pflanzte er vor dem Haus seiner Eltern eine Linde. Und dann war da noch der Auftrag seines Bruders Stefan zu erfüllen. „Bitte bring mir doch auch eine Frau aus der Heimat mit“, hatte er ihn vor dessen Rückkehr nach Deutschland gebeten.  

Als Martin wieder in Amerika ankam, hatte er alle drei Aufgaben erfüllt. Er hatte die Linde gepflanzt, die noch heute vor seinem Elternhaus in Sudhagen steht, und unter der bei dem Familientreffen die große Sandmeyer-Schar das „Lied von der Linde“ sang. Martin hatte auch zwei Frauen mitgebracht, Maria und Theresia Roxlau aus Winkhausen. Martin heiratete Maria. Stefan heiratete Theresia.

Der Zettel im Gesangbuch
Stefan und Theresia hatten sich vorher noch nie gesehen, und Theresia war erst 17 Jahre alt. Eigentlich sei sie noch zu jung, um auszuwandern, hatten ihre Eltern gesagt, als Martin sie mit nach Amerika nehmen wollte. Doch dann hatte Theresia schlau und listig dem Vater einen Zettel ins Gesangbuch gelegt, auf dem geschrieben stand, dass sie so gerne mit Martin in das ferne Land zu Stefan reisen würde. Das las der Vater in der Kirche, just als er mit dem Beten anfangen wollte, und nun konnte er nicht mehr Nein sagen. Und ab ging es mit Martin, Maria und Theresia nach Amerika. So wurde es schmunzelnd beim Familientreffen der Sandmeyers erzählt. Nach harten und entbehrungsreichen Aufbaujahren brachten es die beiden Sandmeyer-Brüder mit den beiden ihnen angetrauten Roxlau-Schwestern im Staate Washington zu Kinderreichtum und Wohlstand. Die Briefe aus dieser Zeit mit den Schilderungen über den harten Anfang, über Erfolge und Misserfolge und über Freud und Leid in ihren Familien werden bei den Sandmeyers in Sudhagen noch heute sorgsam aufbewahrt.

Dann hatte der Generationswechsel den Kontakt unterbrochen, und jahrzehntelang hörten die Sandmeyers aus Sudhagen nichts mehr von den Sandmeyers aus Amerika. Neu geknüpft wurden die Verbindungen nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Die amerikanischen Nachfahren von Martin und Stefan Sandmeyer hatten den Kontakt mit ihren deutschen Verwandten hergestellt, um ihnen mit Paketsendungen in der Not nach dem Kriege helfen zu können. Aus diesen Hilfssendungen entwickelte sich ab 1960 eine Phase gegenseitiger Besuche, die durch das Studium einer amerikanischen Sandmeyer-Nachfahrin in Deutschland zu einer immer intensiveren Verwandtenbeziehung führte.

Das Lied von der Linde
Dass sein Enkel John im Kreise dieser großen deutsch-amerikanischen Verwandtschaft unter dem Baum, den er im Jahre 1872 pflanzte, am 8. Oktober des Jahres 1995 sitzen würde, und alle geminsam das Lied „Vor meinem Vaterhaus steht eine Linde“ singen würden, hätte Martin vielleicht damals sehr stolz gemacht. Wichtiger aber noch wird ihm vermutlich sein Erfolg gewesen sein, den er bei Maria und Theresa in Winkhausen hatte, und mit dem er seinen Bruder Stefan so sehr beeindrucken konnte.

Bericht: Adalbert Höber


Bericht in Herald and News
Über den Artikel im Delbrücker Kurier berichtete im Februar 1996 die Tageszeitung Herald and News in ihrem Sonderteil Today‘s Seniors. Redakteurin Mary Nobel verfasste den Artikel mit der Überschrift "Local couple make the cover of German paper."

Local couple make the cover of German paper
When Evelyn an John Sandmeyer visited Germany, they didn‘t know that they‘d end up as the cover story in the Oct. 18 edition of German newspaper Delbrücker Kurier.

On the cover is a picture of a smiling and laughing John Sandmeyer. Nearby is the headline, „Happy Days in Germany.“

Sandmeyer had first visited the land of his Grandfather in 1989.He returned last fall with his new bride, the former Evelyn Merill. „I arrived among strangers in 1989, but today I feelnpart of a large family of friends and relatives,“ Sandmeyer said in the story.

Sandmeyer‘s grandfather, Martin Sandmeyer, was one of five sons who left the Sandmeyer farm in Sudhagen, Germany, between 1868 and 1873. He retrned later to look for a bride and toplant a lime tree in front of the house of his parents. He also brought back a wife for his brother, Stephan.

The planted tree still stands in front of the home in Sudhagen. Two sisters, Maria and Theresia Roxlau, married Martin and Stefan Sandmeyer.

The two Sandmeyer families prospered in Washington and continued to communicate with their relatives in Germany. The second generation didn‘t do as well, however. The German and American Sandmeyers lost contact with one another.

After World War II, the American Sandmeyers contacted their German relatives to offer assistance. The family relationship was further cemented when a descendant of the Sandmeyers came to German to study.

In October 1995 Martin‘s grandson John Sandmeyer sat under the lime tree Martin had planted so long ago. He was part of a large circle of German and American relatives singing in unison the song, „There stands a lime-tree at my father‘s door.“

Sandmeyer said his trip was shortly before the pope‘s visit to Germany. „We told our relatives that the pope wouldn‘t have any more royal treatment than we received,“ Sandmeyer said. Everyone was so kind and considerate making sure we were at ease no matter what the situation. My wife said many times she couldn‘t believe she was here.“

Sandmeyer said he doesn‘t speak German but learned to make out some German during his stay. „I got pretty conversant in a very small way. Many of them, especially the younger people, spoke English,“ he said.

While in Germany, the Sandmeyers also attended a reunion of their Roxlau relatives. They visited mor European relatives too. Prior to their German trip, the Sandmeyers visited Evelyn Sandmeyer‘s relatives in Copenhagen, Denmark.

Sandmeyer said it was his first trip to Denmark and his wife‘s first trip to Germany. „I‘d reccomend it to anybody,“ he said. „The thing that impressed me with both Denmark and Germany was the cleanlinessd and orderliness. Everything seems to be in its proper place.“

When asked if he intended to return, Sandmeyer was emphatic: „I sure hope so.“

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Mary Nobel berichtet über Besuch in Sudhagen
Über den Artikel im Delbrücker Kurier berichtete im Februar 1996 Mary Nobel in Herald and News in dem Sonderteil Today‘s Seniors.
Titelgeschichte: Happy Days in Germany
Titelgeschichte vom 18. Oktober 1995 im Delbrücker Kurier, 269. Ausgabe